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Podiumsdiskussion "Digitale Geisteswissenschaften als Werkzeug oder Wissenschaft?"

Eine Veranstaltung der Geisteswissenschaftlichen Fakultät und des Zentrums für Informationsmodellierung der Universität Graz 

Es scheint, als ob die Digital Humanities eine neue Epoche der geisteswissenschaftlichen Forschung eingeläutet hätten. Neben den einschlägigen Fachdisziplinen engagieren sich auch Archive, Bibliotheken, Museen in kollaborativen Unternehmungen, um Forscherinnen und Forscher, digitale und digitalisierte Kulturobjekte sowie Forschungsdaten miteinander zu vernetzen. Von den frühen Anfängen – der Begriff Digital Humanities wurde 2004 (Schreibman, Siemens, Unsworth) erstmals geprägt – bis heute kann diese Disziplin auf einen steilen Aufstieg zurückblicken. Aus Forschungszentren und Versuchslaboren haben sich Universitätsinstitute entwickelt, an denen Professuren mit entsprechenden Profilen eingerichtet wurden. An diesen entstanden und entstehen neue Studiengänge mit eigen- ständigen Curricula. Gleichzeitig engagieren sich Kulturerbeinstitutionen in der Produktion digitaler Surrogate ihrer Sammlungen und bauen neue Sammlungen mit born-digital Inhalten auf. Sind die DH also eine Forschungsdisziplin oder das Handwerkszeug zur Erzeugung und zum Umgang mit dem digitalen Kulturerbe?

Die Frage nach der Einordnung der Digital Humanities in den geisteswissenschaftlichen Fächerkanon ist nicht neu – dennoch scheint sie nach wie vor aktuell! Die Skala der Standpunkte zu dieser Frage ist breit: 

Selbstverständlich muss der Prozess der Digitalisierung unterstützt werden, aber mehr als einfach zu bedienende Werkzeuge und die generelle Erleichterung von Arbeits- abläufen darf man sich dabei nicht erwarten.

Das Label des Digitalen zu führen ist schon wichtig, aber digitale Aufgaben gibt man am besten an entsprechende Dienstleister weiter.

Computergestützte Methoden sind bereits seit langem integraler Bestandteil einiger geisteswissenschaftlicher Disziplinen: Seit dem Aufkommen der Rechenzentren arbeitet man z.B. in der Linguistik mit computergestützten Forschungsmethoden, andere Fächer generieren eine derartige Menge an Daten (z.B. Archäologie), dass diese nur mit Computerunterstützung sinnvoll verarbeitet werden können.

Die technische Entwicklung ist mittlerweile ohnehin so weit fortgeschritten, dass jeder einzelne Arbeitsplatz ein eigenes kleines Rechenzentrum darstellt und somit jede und jeder das technische Potenzial für digitale Forschungsmethoden zur Verfügung hat.

Die Geisteswissenschaften sind endlich im digitalen Zeitalter angekommen und digitale Forschungsmethoden revolutionieren nun Forschung und Erkenntnisgewinn. Sie definieren die goldene Zukunft der geisteswissenschaftlichen Forschung.

Die Diskussion scheint so alt wie der Einsatz computergestützter Forschungsmethoden im Rahmen geisteswissenschaftlicher Forschung in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Macht es sie damit obsolet? Keineswegs: Eine Disziplin konstituiert sich auch durch ihre kritische Selbst- und Fremdreflexion. Die Diskussionen über Hack&Yack (Nowviskie 2016) oder über das "Big Tent" (Svensson 2011) sind gute Vorbilder dafür (vgl. zum Beispiel weiters Baum, Stäcker 2016; Hohls 2018; Schafer, Rittgerodt 2022). So kann es nicht schaden, diese Frage, vor allem vor dem Hintergrund einer rasant voranschreitenden technischen Entwicklung einmal mehr zu diskutieren. Doch anstatt unterschiedliche Erzählungen über die DH miteinander zu vergleichen, ist die Frage nach der Zukunft, nach der Entwicklung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weitaus interessanter. Daher soll auch diskutiert werden, wohin sich die DH in den nächsten Jahren entwickeln können: zu einem Werkzeugkasten selbstverständlicher digitaler Methoden basierend auf definierten Fragestellungen der etablierten geisteswissenschaftlichen Disziplinen oder zu einer Forschungsdisziplin mit eigenständigen Methoden und Forschungsobjekten?
 

Referenzen:

Baum, Constanze und Thomas Stäcker. 2016. Grenzen und Möglichkeiten der Digital Humanities. Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften. Sonderband 1. http://dx.doi.org/10.17175/sb01.

Hohls, Rüdiger. 2018. “Digital Humanities und digitale Geschichtswissenschaften.” In: Clio Online. https://guides.clio-online.de/guides/arbeitsformen-und-techniken/digital-humanities/2018.

Nowviskie, Bethany. 2016. “On the Origin of ‘Hack’ and ‘Yack’”. In: Debates in the Digital Humanities. https://dhdebates.gc.cuny.edu/read/untitled/section/a5a2c3f4-65ca-4257-a8bb- 6618d635c49f.

Rittgerodt, Rabea. 2022. Digital Humanities – A Science unto Itself? A Conversation with Valérie Schafer. De Gruyter Conversations. 10. März 2022. https://blog.degruyter.com/digital- humanities-a-science-unto-itself-a-conversation-with-valerie-schafer.

Schreibman, Susan, Ray Siemens und John Unsworth, Hrsg. 2004. A Companion to Digital Humanities. Blackwell Companions to Literature and Culture. Wiley. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/book/10.1002/9780470999875 

Svensson, Patrik. 2011. “Beyond the Big Tent.” In Debates in the Digital Humanities. https://dhdebates.gc.cuny.edu/read/untitled-88c11800-9446-469b-a3be-3fdb36bfbd1e/section/38531431-5bd6-4eb1-95f5-fa49c025322d.

Petri Paju/Mila Oiva/Mats Fridlund: Digital and Distant Histories. Emergent Approaches within the New Digital History. In: dies. (Hg.): Digital Histories. Emergent Approaches within the New Digital History. Helsinki 2020, S. 3-18.

Fotis Jannidis: Digitale Geisteswissenschaften: Offene Fragen – schöne Aussichten. In: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung 10/1 (2019), S. 63-70.
 

Donnerstag, 23.06.2022

Ort: Historisches Gewächshaus der Universität Graz

13:00-13:10 Eröffnung/Begrüßung

13:10-13:40 Impulsvortrag:  Prof. em. Dr. Charlotte Schubert, Universität Leipzig 

13:40-14:10 Impulsvortrag:  Prof. Dr. Evelyn Gius, Technische Universität Darmstadt

14:10-14:30 Kaffeepause

14:30-16:00 Podiumsdiskussion zum Thema “Digitale Geisteswissenschaften als Werkzeug oder Wissenschaft?” 

 

Moderation: 
Univ.Prof. Dr. Sonja Rinofner-Kreidl

Diskutierende:
Dr. Luise Borek, Universität Graz, Technische Universität Darmstadt
Prof. Dr. Evelyn Gius, Technische Universität Darmstadt
Dr. Johannes Kepper, Universität Paderborn
Prof. em. Dr. Charlotte Schubert, Universität Leipzig
Univ.Prof. Dr. Michael Walter, Universität Graz

 

(Es ist geplant die Veranstaltung hybrid durchzuführen. Die Veranstaltung wird mit Bild und Ton aufgezeichnet.)

 

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Freitag, 24.06.2022

Ort: Zentrum für Informationsmodellierung

9:00-12:30: Prof. Dr. Evelyn Gius: Workshop: CATMA

Institutsleitung

Univ.-Prof. Dr.phil. M.A.

Georg Vogeler

Elisabethstraße 59/III, 8010 Graz



Institut

Elisabethstraße 59/III, 8010 Graz

Telefon:+43 (0)316 380 - 5790


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