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DiDip - From Digital to Distant Diplomatics

Projektleiter: Georg Vogeler

Im Webportal „Monasterium.net“ kann man per Stichwortsuche oder ein paar Mausklicks Geschichten über flüchtige Raubritter, Heldentaten, Beihilfe zur Flucht oder religiöse Spaltung von Familien finden. Das Portal mit seinen über 600.000 mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Dokumenten ist aber auch ein Zeugnis für Einheitlichkeit und Vielgestalt der Rechtskultur in Europa. Um diese Geschichten richtig einzuordnen, muss man wissen, was die Menschen in der Vergangenheit in Urkunden festhalten wollten, wie sie das getan haben und wofür sie diese verwendet haben.

Die „Diplomatik“ ist die Wissenschaftsdisziplin, die sich diesen Fragen widmet – und sie gibt es schon seit über 350 Jahren. Die etablierten Methoden reichen aber nicht aus, um die große Zahl an Dokumenten, die seit dem 13. Jahrhundert in Europa entstanden sind, zu bewältigen. Das Projekt „From Digital to Distant Diplomatics“ wird die Diplomatik deshalb in die digitale Gegenwart bringen. Es will alle an mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunden interessierten Menschen in die Lage versetzen, sich im Umgang mit den Dokumenten der jüngsten Entwicklungen im Bereich der Data Science und künstlicher Intelligenz zu bedienen.

Die Computer brauchen dafür viele Beispiele, um zu „lernen“ – und sie brauchen Menschen, die die von Ihnen gemachten Vorschläge interpretieren. Deshalb braucht es eine Umgebung, in der Mensch und Maschine zusammenarbeiten: Die Menschen bringen Ihre Kreativität und die Fähigkeit ein, andere Menschen „zu verstehen“, sowie aus der Erfahrung mit Objekten sinnvolle Erkenntnisse zu ziehen, etwas über die Vergangenheit zu erzählen. Die Maschine kann schnell große Datenmengen verarbeiten und dabei sowohl Regeln anwenden als auch neue Regeln erlernen. Das Projekt DiDip wird eine solche „Virtuelle Forschungsumgebung“ entwickeln.

Das Projekt wird den Nutzen der Forschungsumgebung testen, in dem es europäische Trends und regionale Differenzen in Gestaltung und Gebrauch von Urkunden des 14. und 15. Jahrhunderts untersucht. Welchen Einfluss haben gesamteuropäische politische Institutionen wie die römische Kirche auf regionale Urkundenpraxis? Wie reagieren lokale und regionale Beurkundungspraxis auf die Verbreitung des römischen Rechts unter den Rechtsdenkern Europas? Wie verhalten sich die beiden weiträumig verbreiteten Beglaubigungspraktiken, per Siegel und per Notarsunterschrift, zu einander? Diese Fragen werden beantwortet, indem das Projektteam mit Hilfe von Computer Vision und maschineller Sprachverarbeitung Trends, Brüche, Vereinheitlichungen und Diversifizierungen ermittelt. Die so an den digitalen Repräsentationen der Urkunden gemachten Beobachtungen sollen zu europäischen „Großereignissen“ wie dem abendländische Schisma (1378-1417) oder die große Pest (1348/49) und die ihr folgende Wirtschaftskrise in Beziehung gesetzt werden.

Das Projekt wird vom ERC mit einem Advanced Grant (Laufzeit 2022-2026) gefördert.

Institutsleitung

Univ.-Prof. Dr.phil. M.A.

Georg Vogeler

Elisabethstraße 59/III, 8010 Graz



Institut

Elisabethstraße 59/III, 8010 Graz

Telefon:+43 (0)316 380 - 5790


Öffnungszeiten Büro und Bibliothek: Montag bis Donnerstag jeweils von 9 bis 13 Uhr

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